Eine Seniorenresidenz. Wissen Sie schon, ob Sie das wirklich wollen?
Ich beginne ein wenig provokant und vielleicht sogar verunsichernd, da Sie vor eine große Entscheidung stehen könnten. Sie überlegen, ob Sie sich für den Umzug in eine Seniorenresidenz entscheiden und haben das wichtige Vorhaben noch nicht ganz durchdacht? Das ist absolut normal.
Auch wenn Sie früher im Berufsleben oder in Ihrem privaten Umfeld wichtige Entscheidungen getroffen haben, haben Sie auch solche Entscheidungen mit Tragweite nicht über Ihr Knie gebrochen. Wie viel wichtiger ist es also bei einer Entscheidung, wo Sie Ihre kommenden Jahre leben möchten, genau abzuwägen und mit Ruhe und Bedacht zu entscheiden.
Um Ihnen etwas „Entscheidungsmaterial“ an die Hand zu geben, habe ich mich einfach mal hingesetzt und das für und wider durchdacht und versucht, um Ihnen einen möglichen Entscheidungsprozess vorzustellen. Es handelt sich ausdrücklich nicht um einen „Residenzen-Check“, das wird ein anderer Artikel sein, sondern um meine ganz persönlichen Gedanken, die einer Entscheidung dienen könnten.
Selbstbestimmt und souverän leben
Sie haben ein aktives, erfolgreiches Leben geführt. Darum ist eine so persönliche Entscheidung mehr als nur die Wahl eines neuen Wohnortes. Ihr Leben wird sich in einer Premium-Seniorenresidenz sehr verändern. Was allerdings positiv ist: Es verändert sich zu mehr Service und weniger Alltagssorgen. Aber es trifft auch zu: Sie leben nun in einer Gemeinschaft und das erfordert ein gewisses Maß an Anpassung.
Sie wollen und werden aber weiterhin selbstbestimmt leben können. Das kann ich Ihnen versichern und das ist Ihr gutes Recht. Und genau diese Sicherheit bietet Ihnen eine qualitativ gute Seniorenresidenz. Aber welche Entscheidungsfaktoren könnten ganz persönlich eine Rolle spielen? Was könnte Sie beispielsweise überzeugen, diese Veränderung zu wagen – oder es vielleicht besser nicht zu wagen?
Ihre persönliche Checkliste zur Entscheidung
Bevor Sie beginnen, Broschüren zu durchblättern oder Besichtigungen zu planen und den ganzen Entscheidungsprozess eher rational zu planen als wäre es ein Projekt während Ihrer Laufbahn, möchte ich Ihnen einen Vorschlag machen: Nähern Sie sich der Frage, ob für Sie eine Seniorenresidenz infrage kommen kann, von der eher emotionalen Seite. Ihr Gefühl wird hier wesentlich sicherer und besser entscheiden können als eine Pro- und Kontra-Liste.
Was ist es also, was Sie ganz grundsätzlich möchten:
– Kontrolle über Ihr Leben, als Einzelperson oder als Paar behalten
– Stil, Anspruch und Wertigkeit auf einem Niveau, das Sie kennen
– volle Lebensqualität ohne die tägliche Pflichten und Belastungen
– eine Unterstützung, die bei Bedarf auf Knopfdruck verfügbar ist
Vielleicht noch einige ergänzende Gedanken
Was lässt Sie eine solche Entscheidung erwägen?
– was ist Ihr Ziel? Ruhe, Sicherheit, Komfort, Entlastung oder neue soziale Anregung?
– was stört Sie aktuell schon? Ist es Einsamkeit, Aufwand, Unsicherheit, oder etwas anderes?
– Worauf wären Sie bereit zu verzichten? Und was sollte Ihnen unbedingt erhalten bleiben?
Was sind Sie bereit, zu verändern?
– können Sie sich auf neue Routinen in einer größeren Einrichtung einlassen?
– brauchen Sie feste Strukturen? Oder sind Sie ein Freund spontaner Entscheidungen?
– wie sehr passt Ihr Lebensstil zu einem eher clubähnlichen Leben?
– oder sind Sie eher ein ausgeprägter Individualist?
Wen möchten Sie für die Entscheidung einbinden?
– Ihre Familie oder Ihre Freunde?
– möchten Sie diese Entscheidung ganz bewusst für sich selbst treffen?
– würden Sie mit Ihrem besten Freund oder Ihrer besten Freundin darüber sprechen?
Was bewegt Sie emotional?
– welche Sorgen haben Sie, die ein Gespräch mit einem Vertrauten oder sogar ein Gast-Besuch in einer Residenz beantworten könnten?
– ist es das Unbekannte, das Sie zögern lässt, oder eher eine Sorge, dass Sie sich vielleicht „einordnen“ müssen?
– suchen Sie die Anregung durch eine Gemeinschaft, oder eher Rückzug und ein privates und ruhiges Umfeld?
– wenn Sie sich Ihr Leben in zehn Jahren vorstellen. Würde Ihnen das Bild gefallen, in einer Residenz zu leben?
Wenn Sie sich auf diese Gedanken einlassen, könnten Sie wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Ich habe aber einen noch ganz anderen Vorschlag: Schreiben Sie sich Ihre spontanen Gedanken auf. Oder sprechen Sie diese Gedanken in Ihr Mobiltelefon. Nicht nur darüber nachdenken. Einfach loslegen und machen Sie das nur für Sie selbst. Etwas textlich festzuhalten öffnet fast immer neue Zugänge zu Ihren Gedanken.
Ihre Gedanken werden klarer
Legen Sie nun Ihre Notizen auf die Seite, ohne sie noch einmal zu korrigieren oder schon zu durchdenken. Warten Sie einige Stunden oder vielleicht sogar bis zum nächsten Tag und schauen erst dann wieder auf Ihre Gedanken. Fühlen sich Ihre Worte noch immer stimmig an? Das, was sie so ganz spontan formuliert haben erzeugt eher ein Gefühl von Gewissheit oder innerer Gelassenheit?
Dann sind Sie vielleicht wirklich auf dem richtigen Weg. Denn so entstehen Entscheidungen über die wirklich wichtigen Dinge. Die Lösung ist dann oft nicht, rationale Argumente wie mit dem Abakus hin und herzuschieben, bis hoffentlich ein klares und nachvollziehbares Ergebnis herauskommt. Solche Entscheidungen wollen und sollten ganz in Ruhe reifen.
Selbst, wenn Sie noch zu keinem abschließenden Gedanken gekommen sind, das ist sogar sehr wahrscheinlich, haben Sie schon Ihre Gedanken auf eine Reise geschickt. Sie werden sich wundern, wie Ihre Klarheit in den nächsten Tagen wachsen wird, ob nun positiv, oder doch erst noch abwartend.
Das Finanzielle spielt natürlich auch eine Rolle
Seien wir aber objektiv. Natürlich hängt es nicht nur von emotionalen Faktoren oder Ihren persönlichen Wünschen und Vorstellungen ab, ob Sie den Schritt in eine Seniorenresidenz gehen wollen oder auch nur können. Eine Premium-Premium-Seniorenresidenz bringt eine doch nicht unerhebliche monatliche finanzielle Belastung mit sich.
Wenn Ihnen aber Ihre emotionale Checkliste schon positive Signale sendet und Sie wissen, dass das finanzielle Engagement für Sie kein Problem darstellen würde, betrachten Sie die erhöhten Kosten nicht als Ausgabe, sondern als eine Investition in Ihre ganz persönliche Lebensqualität. Wenn es in früherer Zeit darum ging, ein Hotel zu buchen, haben Sie auch geschaut, welche Unterkunft Ihren Wünschen am besten entsprochen hat. Hier gilt das genauso.
Es geht immerhin um Ihr hoffentlich noch lange währendes letztes Lebensdrittel. Lassen Sie sich auch von Niemandem einreden, es wäre kein Drittel sondern nur ein Viertel oder ein „wer weiß, wie lange es noch geht“. Ich selbst denke von jedem Tag, dass ich ihn in vollen Zügen leben werde, den morgigen genauso und den dann folgenden ebenfalls. Egal ob es noch 30 oder sogar 40 Jahre werden.
Ich kann mich noch gut an meine jüngeren Jahre erinnern. Erst mit Dreißig wurde ich so langsam wirklich erwachsen, mit Sechzig waren es dann diese zwei Drittel. Jetzt bin ich also ebenfalls und vollkommen zeitlos in meinem eigenen hoffentlich noch eine ganze Weile währenden Drittel. Die Frage ist also nicht unbedingt „Was kostet es pro Jahr?“, sondern „Was ist mir mein aktuelles Wohlbefinden wert.“
Ein abschließender Gedanke
Ich bin der Überzeugung, dass der Schritt in eine Seniorenresidenz kein Rückzug aus der Gesellschaft ist. Es ist eine bewusste Entscheidung zu Gunsten der eigenen Lebensqualität in einer neuen Gemeinschaft. Gute Seniorenresidenzen binden sich aktiv in die kommunale Umgebung ein, was bedeutet, Sie sind nicht nur auf das Haus beschränkt, sondern können das kulturelle Angebot der umgebenden Stadt genauso mit einbeziehen wie den Service des Hauses.
Ich freue mich, wenn Sie bis hier gelesen haben und noch mehr, wenn ich Ihre Neugierde und Ihr Interesse wecken oder erhalten konnte. Das ist dann eigentlich schon ein guter Indikator in Richtung Entscheidung. Vertrauen Sie diesem Gefühl. Bleibt es bestehen, sind Sie vielleicht bald bereit für den nächsten ganz entspannten Schritt.
